Leserreise nach Nova Scotia

Unsere Smart Investor-Leserreise führte uns Anfang Oktober in die kanadische Atlantik provinz Nova Scotia – genauer gesagt in die Region Cape Breton.

Sehnsuchtsziel der Deutschen
Neben Neuseeland und Australien gilt Kanada als eines der Sehnsuchtsziele der Deutschen – sei es, um sich ein zweites Standbein aufzubauen, sei es, um der Heimat auf Dauer Lebwohl zu sagen. Während die Entscheidung für Feriendomizil oder Zweitwohnsitz noch relativ leicht fallen mag, will das Thema „Auswandern“ wohlüberlegt sein. „Halb zog es ihn, halb fiel er hin“, dürfte die Gemütslage vieler potenzieller Auswanderer gut charakterisieren. Denn es ist das eine, über die Fehlentwicklungen in der Heimat zu lamentieren, aber etwas ganz anderes, den Sprung aus der „Komfortzone“ – gar über den großen Teich – zu wagen und sein gewohntes Lebensumfeld aufzugeben. Detaillierte und aktuelle Informationen zur Immigration nach Kanada finden sich übrigens hier: www.cic.gc.ca. Vor allem Realismus ist gefragt. Eine verklärte Sicht auf ein Land, das man nur von Ferne kennt, hilft dagegen nicht weiter.

Eine Woche Kanada
Genau hier setzte die Smart Investor-Leserreise an, die uns vom 4. bis 11. Oktober 2012 in die kanadische Atlantikprovinz Nova Scotia führte (siehe auch Smart Investor 8/2012, S. 36f). Rund eine Woche ist allerdings viel zu kurz, um sich selbst von der zweitkleinsten kanadischen Provinz (immerhin größer als die Schweiz!) ein umfassendes Bild zu machen. Entsprechend quittierte die Einreisebeamtin am Flughafen Halifax die geplante Aufenthaltsdauer von nur acht Tagen mit einem Stirnrunzeln. Das Reiseprogramm, das Veranstalter Frank Eckhardt von F. E. Property Sales Ltd. (www.fe-propertysales.com) für die Gruppe zusammengestellt hatte, war entsprechend dicht gedrängt. Neben dem Kennenlernen von Land und Leuten bildete auf dieser Investorenreise die Besichtigung von Grundstücken in Nova Scotia (Cape Breton) einen thematischen Schwer punkt.

Dünn besiedelt
Nach der ersten Übernachtung in einem Hotel mit den typisch nordamerikanischen Stilelementen wie Klimaanlage und nicht zu öffnenden Fenstern stand zunächst eine kurze Besichtigung der Provinzhauptstadt Halifax auf dem Programm. Hier leben rund 400.000 der gut 920.000 Einwohner Nova Scotias. Insgesamt ist die Provinz mit einer Bevölkerungsdichte von nur 17,3 Einwohner/km2 (zum Vergleich: Deutschland 231 Einwohner/km2) aber ausgesprochen dünn besiedelt. Gerade in politisch und wirtschaftlich härter werdenden Zeiten kann dies ein enormer Standortvorteil sein. Massendemonstrationen und Straßenschlachten, wie sie für die EU-Version Europas mittlerweile an der Tagesordnung sind, kann man sich in der beschaulichen kanadischen Provinz kaum vorstellen.

Leben und leben lassen
Dazu kommt eine fast bayerische Einstellung des „Leben und leben lassen“, die tief in dieser Gesellschaft überwiegend europäischstämmiger Einwanderer verwurzelt ist. Die vorbildliche kanadische Einwanderungspolitik ist einer der Gründe, weshalb diese „Nation von Einwanderern“ seit vielen Generationen Stabilität, Sicherheit und wirtschaftliches Wohlergehen genießt (vgl. Kasten „Toronto“ auf S. 30). Die kanadische Toleranz darf allerdings nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden. Wenn Not am Mann ist, dann kommen Pioniermentalität und Hilfsbereitschaft schnell zum Tragen. Etwa nach den Anschlägen vom 11.9.2001, in deren Folge unzählige Passagiermaschinen nach Halifax umgeleitet wurden, um dort auf unbestimmte Zeit festzusitzen. In Eigeninitiative fuhren seinerzeit zahlreiche Bürger von Halifax mit ihren Autos zum Flughafen, um den Gestrandeten Übernachtungsmöglichkeiten in ihren Häusern anzubieten. Eine Episode, die viel über die kanadische Mentalität verrät.

Südlicher als München
Noch am ersten Tag ging es weiter in unsere eigentliche Zielregion, die gut 330 km entfernte Insel Cape Breton. Diese für kanadische Verhältnisse relativ bescheidene Distanz macht eines deutlich: Ohne fahrbaren Untersatz geht in den ländlichen Regionen des Landes praktisch nichts. Wer allerdings motorisiert ist, dem zeigt sich eine prachtvolle und weitestgehend unberührte Landschaft, etwa entlang des berühmten Cabot Trail (www.cabottrail.com). Es kommt also nicht von ungefähr, dass die Insel regelmäßig zu einem der beliebtesten Touristenziele in ganz Nordamerika gewählt wird, zumindest von jenen, die im Urlaub nicht unbedingt eine Partymeile suchen. Der Indian Summer, dessen Beginn wir miterlebten, taucht zudem die ganze Region in ein eindrucksvolles Farbenmeer. Obwohl das Wetter insgesamt schon herbstlich wechselhaft war, konnten wir beispielsweise den kilometerlangen, fast menschenleeren Sandstrand des Point Michaud (www.pointmichaudbeachhouse.com) bei bestem T-Shirt-Wetter genießen. Ein abendliches Lagerfeuer auf dem Anwesen des Veranstalters Frank Eckhardt rundete diesen spätsommerlichen Tag ab. Zwar erinnerten Landschaft und Architektur der Region etliche Teilnehmer an Norwegen, tatsächlich liegt die gesamte Insel aber südlicher als München. Vielleicht ist unser Bild des nördlichen Nachbarn der USA doch zur sehr von Jack-London-Romanen geprägt? Apropos USA: Obwohl der Einfluss des dominanten Nachbarn überall zu spü- ren ist, am offensichtlichsten vielleicht beim Thema Ernährung, legen die Kanadier großen Wert auf ihre Eigenständigkeit. Für ein überwiegend aus Einwanderern und deren Nachkommen bestehendes Staatsvolk ein einigermaßen verblüffendes Bekenntnis zur eigenen Nation.

Mindestens ein Hektar
Im Rahmen unserer Ausflüge, die wir rund um das Örtchen St. Peter’s unternahmen, stand – wie erwähnt – die Besichtigung diverser Grundstücke im Mittelpunkt des Interesses. Wer als Deutscher zum ersten Mal mit kanadischen Grundstücken in Berührung kommt, erleidet einen kleinen „Kulturschock“. Unter 10.000 m2 würde man in Cape Breton nicht ernsthaft von einem Grundstück sprechen, zumindest außerhalb der Städte. Es fehlt also nicht an Land. Die Toplagen sind allerdings – wie überall – rar. Wer also ein besonderes Grundstück sucht, etwa direkt am Binnenmeer Bras d’Or oder an einem der zahlreichen Seen mit Trinkwasserqualität, der muss etwas tiefer in die Tasche greifen – deutlich günstiger als in Deutschland ist Bauland hier aber allemal. In jedem Fall sollte man den Grund buchstäblich unter den eigenen Füßen gespürt haben. Denn es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die sich oft erst vor Ort zu einem Gesamtbild des betreffenden Objekts zusammenfügen. Auch bedarf es einiger Vorstellungskraft, wie die meist im Urzustand angebotenen Flächen später einmal genutzt werden sollen. Denn wie der Reiseführer „Nova Scotia 2012“ ausweist, ist die Provinz für „Doers & Dreamers“ – also nicht nur für Träumer, sondern auch für Macher. Für Nicht-Kanadier ist es zudem von Vorteil, einen kompetenten Partner vor Ort zu haben, der mit den Gepflogen heiten und Besonderheiten des Grunderwerbs vertraut ist und den Inves – tor bis zum Abschluss rechtssicherer Ver – träge begleitet.

Gelebte Autarkie
Unser Reiseleiter Frank Eckhardt zeigte uns mit seinem eigenen AutarkieProjekt auch einmal ganz praktisch, was angesichts der Größe der Grundstücke in Richtung Selbstversorgung möglich ist (www.autarkewelt.de). Ebenso besuchten wir Brian und Gina (www.thewhiteturtle.com), die ihren Traum eines möglichst selbstbestimmten Lebens bereits verwirklicht haben. Sie leben in einem „Strohballenhaus“ und versorgen sich selbst mit Energie, Lebensmitteln und Wasser. Dabei bedienen sie sich einer Mischung aus traditionellen Verfahren und moderner Technologie. Wer in Richtung (teilweiser) Selbstversorgung denkt, der hat bei Flächen jenseits von 10.000 m2 zumindest ausreichend Platz für mehr als ein paar Gemüsebeete.

Deutsche Siedler
Nicht nur die Gespräche in der Abflughalle von Halifax zeigten, dass sich bereits etliche Deutsche auf den Weg nach Nova Scotia gemacht haben, um hier zu siedeln. Man berichtete von seinen neuesten Errungenschaften („Einen Traktor musst du schon haben.“) oder von den Fortschritten bei der Entwicklung des eigenen Grundstücks („Dieses Jahr haben wir das Fundament gegossen.“) – ein bisschen wie Siedler „spielen“, nur in Echt. Damit bestätigten diese Gespräche auch, was uns ein freundlicher älterer Kanadier beim abendlichen Besuch eines Pubs erzählte: „Lots of Germans are buying land.“ („Viele Deutsche, die Land kaufen“).

Fazit
Die einwöchige Smart Investor-Reise nach Nova Scotia/Cape Breton war ein Erlebnis. Eine harmonische Gruppe erkundete unter der erfahrenen und engagierten Betreuung von Frank Eckhardt Land und Leute. Aufgrund der großen Nachfrage werden wir diese Reise voraussichtlich im Frühjahr 2013 wiederholen.

Smart Investor – Ralph Malisch

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.