Flucht vor der Knute

Wo Freiheit noch einen Wert besitzt

von Henning Lindhoff

Fotoa (Nova Scotia und Mauritius) von Pixabay

Weihnachten bin ich wieder da.“ Seine Mutter hatte Tränen in den Augen. Die Handtasche fest umklammert saß Dorothea W. mit ihrem Sohn Robert auf dem Treppenabsatz an der Südseite von Sanssouci. 1989. Ein toller Tag im Juni. Ein wunderschöner Blick auf den herrlichen Garten. Bunte Blumen, singende Vögel. Aber dem Schauspiel der Natur wollten sich die Gefühle von Mutter und Sohn nicht so recht anpassen. Robert W. starrte in die Ferne. Die Sonne strahlte freundlich. Die Luft war angenehm warm. „Das System ist kalt.“ Robert W. verkniff die Augen. Seine Gesichtszüge wirkten hart. Entschlossen. Er durfte ausreisen. Endlich. „Das System wird scheitern. Im Herbst ist es vorbei. Dann sehen wir uns wieder, Mutti.“ Dorothea weinte. Die sonst so stolze Dame wollte es nicht glauben. Warum auch? Die Mauer stand fest wie eh und je. Honecker hatte Zugeständnisse gemacht, sicher. Aber seine Schergen bei NVA und Staatssicherheit waren loyal. Robert W. nahm seine Mutter noch einmal fest in den Arm, drückte sie, küsste sie. Und ging dann schweigend in Richtung Westen. „Nach Osten“, sagt Tim Dornbusch, Eigentümer des Hotel Baltic auf Usedom, 46 Autominuten entfernt von der deutsch-polnischen Grenze, heute verschmitzt. 2015. Ein sonniger Tag im November. „Ich muss nur ein paar Kilometer über die Grenze fahren und schon bin ich tiefer im ‚Westen‘, als ich es hier in Ostdeutschland jemals sein könnte“, präzisiert der Unternehmer. 26 Jahre nach dem Fall der Mauer macht sich wieder Aufbruchsstimmung breit in Mitteleuropa. Ein Hauch von Revolution liegt in der Luft. Pegida spaziert. AfD provoziert. Die Bundesregierung dilettiert. Und gleichzeitig verspüren nicht wenige Bürger wieder den Drang, sich aufzumachen, neues Land und neue Chance zu entdecken und Deutschland hinter sich zu lassen. In der alten Heimat fühlen sie sich erinnert an die Stimmung und Atmosphäre anno 1989. „Es ist nur etwas schlimmer“, sagt Robert W. heute. „Früher haben wir unserer Regierung nicht geglaubt. Denn die Propaganda war plump. Die Menschen haben sich im Privaten unterstützt.“ Anno 2015 sei dies ganz anders. „Die Denunziation im Internet, die ständige Pflicht sich zu rechtfertigen und zu distanzieren und die Gefahren, die bei Abweichung für Beruf, Karriere und Familie drohen, sind unerträglich. Das hat ganz neue Dimensionen angenommen. Das System ist hinterhältiger geworden.“ Doch wohin kann man sich nun wenden? Wo bieten sich Alternativen? Wo lebt es sich besser als in Deutschland? Wo kann man noch Geschäfte machen, ohne sich des Steuerbetrugs verdächtig zu machen? Wo besitzt Freiheit noch einen Wert?

Kanada
„Hier ist es wie in Mecklenburg-Vorpommern, nur mit deutlich weniger Staat“, weiß Frank Eckhardt von der kanadischen Atlantikprovinz Nova Scotia zu berichten. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine weitgehend autarke Lebensführung auf seiner Smiths Road Farm zu ermöglichen. Interessierten Auswanderern bietet er große Flächen unbebauten Landes an zum Kauf an. In seiner Kundenkartei tummeln sich auch so manche bekannte Größen des deutschen Sport- und Kulturbetriebs. Doch den Großteil machen die Leistungsträger aus Industrie und Handel aus. Sie wollen nicht mehr nur ein Stückchen Land für den sommerlichen Zeitvertreib erwerben. Sie planen Großes. Immer mehr Deutsche, die es sich leisten können, suchen die Weiten Kanadas. Die Zahl der Interessierten die ein Grundstück in Kanada kaufen wollen steigt von Jahr zu Jahr deutlich an. Das Abstimmen mit den Füßen sei in Nova Scotia beinharte Realität geworden, erläutert Eckhardt gegenüber eigentümlich frei. Ihr Glück könnten dort vor allem auch Handwerker und Facharbeiter finden. Sie werden von den Einwanderungsbehörden besonders gern gesehen. Aber auch Ingenieure und Ärzte, die aber oft Teile Ihrer Examina nachholen müssen, werden gerne ins Land gelassen. Eine berufliche Qualifikation ist stets Pflicht. Unternehmer müssen ein Konzept vorlegen und die berechtigte Hoffnung geben, Arbeitsplätze schaffen zu können. Eine Handvoll Jahre ohne Gewinn dürfen sie sich leisten, danach aber wird es ungemütlich. Wird der Inhaber der sogenannten „Permanent Residence“ straffällig, gibt es keinerlei Pardon. Nach dem rechtskräftigen Urteil muss er Kanada innerhalb von nicht mehr als sieben Tagen verlassen. Der Familiennachzug gestaltet sich recht schwierig. Hier muss die Versorgung für zehn Jahre, bei minderjährigen Kindern für 20 Jahre garantiert werden. Ansprüche auf Sozialleistungen bestehen für Einwanderer nur im Falle der Erwerbsunfähigkeit. Mit dieser Politik fährt die kanadische Regierung anscheinend recht gut. Allein die Behörden in Nova Scotia wollen nun aktiv 7.000 qualifizierte Zuwanderer pro Jahr anwerben. In der Provinz angekommen, rückt die staatstragende Bürokratie allerdings in den Hintergrund. Die Beamten pflegten einen lockeren Umgang mit den Bürgern. Ein kurzes Telefonat werde dem von Formalitäten geprägten Hausbesuch vorgezogen – auch angesichts der bürokratischerseits gescheuten weiten Strecken, weiß Eckhardt aus eigener Erfahrung zu berichten. Zudem mahlen die Mühlen noch langsamer als in deutschen Amtsstuben. Unternehmensgründungen aber gehen oft innerhalb von sechs Wochen über die Bühne. Mit einem Punktwert von 79,1 liegt Kanada im 2015er Index of Economic Freedom der Heritage Foundation deutlich vor den USA und Deutschland. „Solchen Schwachsinn wie die GEZ oder staatlich beauftragte Schornsteinfeger gibt es hier nicht“, sagt Frank Eckhardt stolz. „Wenn hier jemand seinen Holzofen nur zweimal im Jahr nutzt, fragt niemand danach, wann er ihn das letzte Mal hat reinigen lassen.“ Wirklichen Kontakt mit Amtsträgern habe er in Nova Scotia bislang nur bei seiner Einwanderung gehabt, bei der Anmeldung seines Kraftfahrzeugs und wenn er Waren aus Deutschland importiert. Rigoroses Vorgehen gar kenne er von den lokalen Behörden nur in Sachen Verkehrskontrollen. Auch die Bauordnung sei sehr entspannt. Als er einmal seine Nachbarn gefragt habe, ob eine Erlaubnis für das Abholzen einiger Bäume notwendig sei, hätten die nur ungläubig gestaunt. „Fang‘ einfach morgen früh an“, so die lapidare Antwort. Eigentum zählt in Nova Scotia noch etwas. Genauso wie die Familie und die kleine, selbstgewählte Gemeinschaft. „Es ist hier völlig normal, seinen Mitmenschen auch ungefragt zu helfen. Niemand fährt einfach weiter, wenn er nachts einen liegengebliebenen PKW am Straßenrand entdeckt. Die Menschen sind weniger misstrauisch. Sie vertrauen einander und verstecken sich nicht hinter staatlichen Regelungen und Institutionen. Das ist für einen Deutschen etwas Neues, aber sehr angenehm.“ Was passiert aber, wenn es dem kanadischen Staat zu wild wird mit der Selbstbestimmung? „Mein Notar hat 30 Jahre Berufserfahrung und hat in dieser Zeit noch keine einzige Enteignung erlebt. Theoretisch hat der Staat diese Möglichkeit, wenn er zum Beispiel Straßen bauen lässt. Davon macht er aber nur äußerst selten Gebrauch und gewährt dann auch sehr großzügige Entschädigungen – in Form von Land und Geld.“ Auch Unruhen habe der Notar noch nie erlebt. „Die Kriminalität spielt sich hier auf einem sehr niedrigen Level ab. Natürlich gibt es auch mal einen Diebstahl oder eine Körperverletzung oder auch vereinzelten Drogenkonsum. Aber man muss keine Angst um seine Sicherheit haben“, so Eckhardt im Gespräch mit eigentümlich frei. „Und wenn Sie hier leben, können Sie ruhig ein Drittel vom Gas gehen. Das Leben hier ist bei weitem nicht so hektisch und arbeitslastig wie in Deutschland.“

Panama
„Stress gibt es hier am ‚Black Friday‘“, erklärt Dr. Dietmar Siebholz im Gespräch mit eigentümlich frei. Der ehemalige Fondsmanager lebt seit dem Jahr 2009 in Panama und kann bis auf die aus den USA übernommene Rabattschlacht am Freitag nach Thanksgiving viel Gutes über seine neue Heimat berichten: „Das alltägliche Chaos in Panama ist bei weitem nicht so groß, wie ich es zuletzt in Europa erlebt habe. Hat man sich ein eigenes Netzwerk aufgebaut, wird man optimal zurechtkommen.“ Die Kriminalitätsrate liege hier weit unter dem süd- und mittelamerikanischen Durchschnitt. Dies liege vor allem in der massiven Polizeipräsenz begründet. Für den Schutz der Kaufhäuser, Banken, Behörden und anderen Einrichtungen wurden am Black Friday 12.178 Polizisten abgestellt. Im Gegenzug jedoch existiert kein panamaisches Militär. Abgeschafft wurde dieses nach dem Sturz des Diktators Noriega, wodurch ein für viele andere Regierungen sehr wichtiger Haushaltsposten im Budget der Regierung in Panama City fehlt. Und auch nicht zur Staatsverschuldung beitragen kann, die im Jahr 2013 mit 41,8 Prozent des Bruttoinlandproduktes und 4.000 US-Dollar pro Einwohner noch relativ bescheiden ausfiel. Auch zum Fehlen einer Zentralbank kann man die Bürger Panamas beglückwünschen – muss es aber nicht. Der Panamaische Balboa, fix an den US-Dollar gekoppelt, ist lediglich als Münze im Umlauf. Größere Summen werden mit dem US-Dollar beglichen. Die Mehrwertsteuer im Land beträgt sieben Prozent. Einkommenssteuern zwischen 13 und 17 Prozent werden erst ab 11.000 US-Dollar Jahreseinkommen fällig. Hinzu kommen Sozialabgaben von 9,75 Prozent und eine gesonderte Erziehungsabgabe von 1,25 Prozent, wodurch ein Angestellter mit einem Jahreseinkommen von 18.000 USDollar am Ende des Jahres mit einer Bruttoabgabenbelastung von 16 Prozent zu rechnen hat. Offiziell liegt die Teuerungsrate bei vier Prozent. „Gefühlt ist sie sechs bis sieben Prozent“, so Dr. Siebholz. Erfreut zeigt sich Dr. Siebholz über die schön geformte Bevölkerungspyramide: „Fast ohne Einkerbungen. 40 Prozent der der Menschen hier sind jünger als 25 Jahre.“ Hinzu kämen jedes Jahr viele Einwanderer, vor allem Pensionäre aus Nordamerika und junge Facharbeiter und Akademiker aus Spanien. Der Mittelstand sei im Dienstleistungssektor noch stark ausgeprägt: „Hier trifft man sehr viele normale Menschen.“ Die Kultur sei christlich geprägt. Der katholische Glaube überwiege. Auffällig sei der lockere und tolerante Umgang der Menschen untereinander. Denunziationen, wie sie im Deutschland des Jahres 2015 gang und gäbe sind, kenne er in Panama nicht. Der Staat werde allgemein als lästiges Übel betrachtet, fasst Dr. Siebholz zusammen. Dabei sieht der durchschnittliche Politiker in Panama etwas anders als in Deutschland. So teilten sich unter dem im Juli 2014 verabschiedeten Präsidenten Ricardo Martinelli sieben Unternehmer die Hälfte der Kabinettsposten. Hinzu tagt regelmäßig eine aus Unternehmern gebildete Strategiekommission. „Lehrer und Juristen haben hier lange nicht den politischen Einfluss, wie sie ihn in Deutschland haben“, sagt Dr. Siebholz. Er begrüßt besonders, dass mit jedem Präsidentenwechsel alle Amtsleiter der nationalen Behörden abdanken müssen. Dadurch habe es der Klüngel etwas schwerer und der Präsident könne nach einer gewissen Anlaufzeit neue Ideen schneller in die Tat umsetzen. Am Pazifik rund um die Hauptstadt Panama City findet sich der Großteil der hiesigen Industrie, ebenso in den größeren Städten der Azuero-Halbinsel. Doch auch die Nordseite des Panama-Kanals kann sich sehen lassen. Die dort gelegene Freihafenzone Colón gilt als der zweitgrößte der Welt. „Vor allem auf dem Land lässt es sich sehr gut leben. Die Lebenshaltungskosten sind hier deutlich niedriger als in Europa. Viele Menschen bauen noch selbst Obst und Gemüse an. Es lebt sich hier einfach viel entspannter als in Deutschland. Man wird in Ruhe gelassen“, so Dr. Siebholz im Gespräch. Nach Abschluss des Immigrationsverfahrens habe er noch nie Post von Behörden bekommen. Allerdings gab es Probleme, als er den Ablauf seines deutschen Führerscheins übersehen hatte. Briefe kann er nur über sein Postfach erhalten. Die gesamte Bürokratie durchziehe ein liebenswertes Chaos. Eine Meldebehörde gebe es nicht. Wird ein offizieller Antrag gestellt so zum Beispiel auf das jährliche Autonummernschild, müsse der Antragsteller allerdings nachweisen, dass er der öffentlichen Hand nichts schulde. Die Verfassung Panamas garantiert zwar formal das Eigentum, beim Erwerb von Land als Eigentum sollte der Käufer jedoch vorher durch einen Fachanwalt überprüfen lassen, ob die früher vergebenen Besitzrechte durch ein umständliches Verfahren in direkte Eigentumstitel umgewandelt wurden. Dann entsprächen diese Eigentumstitel auch dem deutschen Modell. Bis in die 1960er Jahre war nur die Eintragung von Grundstücken als Besitzrecht üblich, erst danach wurden Eigentumstitel im Grundbuch nach und nach eingetragen. Viele Einwanderer übersehen diesen wichtigen Punkt. Viele versuchen sogar, Land in den Reservaten der Indio-Stämme zu kaufen und müssen dann feststellen dass solches ausnahmslos Staatseigentum darstellt. Die Möglichkeiten der permanenten Residenz in Panama erstrecken sich über fünf verschiedene Antragsprogramme, von denen vier mit erheblichen Investitionen verbunden sind. Das fünfte Programm wurde vom letzten Präsidenten eingeführt, um Selbständige und Kleinunternehmer für Panama zu gewinnen, die Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen können. Eine abgeschlossene Berufsausbildung und ein Investment in sein eigenes Unternehmen wird vorausgesetzt. Dieses Investment sei aber wesentlich flexibler und geringer als die alternativen Antragsprogramme. 40.000 US-Dollar sollten Interessierte hier kalkulieren, so Dr. Siebholz. Dafür sei aber auch ein lebenslanges Wohnrecht und der Erhalt eines Personalausweises beinhaltet. Die Staatsbürgerschaft kann man nach fünf Jahren als permanenter Resident beantragen. Hier prüft der Staat aber sehr sorgfältig, ob der Antragsteller dieses Recht erwerben kann. Dr. Dietmar Siebholz kann erreicht werden unter wthLZ2@gmx.de.

Mauritius
1.100 Kilometer vor Madagaskar erhebt sich das „Tor zu Afrika“, wie Hartmut Sieper, Geschäftsführer der Trans Africa Invest GmbH, im Gespräch mit eigentümlich frei die Insel Mauritius bezeichnet. 11,5 Stunden benötigt der Condor-Flieger von Frankfurt nach Mauritius. Keine allzu große Hürde für Geschäftsleute, die wissen, wie man in Afrika investiert. Aus Indien gelangen weitaus mehr Direktflüge nach Mauritius. Und von Dubai aus bringt gar ein A380 800 Menschen pro Flug auf das gerade einmal 2.040 Quadratkilometer große Fleckchen Land. Während in großen Teilen Afrikas immer noch sozialistische Despoten das Zepter schwingen, hat sich der Inselstaat zu einem Brückenkopf für Investitionen in Afrika entwickelt. Die Gründe dafür sind ebenso zahlreich wie simpel: Ein schlankes Rechtssystem, das Investoren weitgehende Sicherheiten verspricht, der Verzicht auf staatliche Devisenverkehrsbeschränkungen, ein einfaches Steuersystem mit einer Flat Tax von 15 Prozent, das Fehlen einer Kapitalertragssteuer, eine Staatsquote von gerade einmal 20,5 Prozent, Staatsschulden in Höhe von 54 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sowie zahlreiche Doppelbesteuerungs- und Investitionsvereinbarungen mit anderen afrikanischen Regierungen ließen Mauritius in den letzten Jahren auf Platz zehn des Index of Economic Freedom der Heritage Foundation klettern. Deutschland liegt hier nur auf Platz 16. In Sachen Investorenschutz liegt Mauritius auf Platz acht der Weltbank-Statistik. Die besten Möglichkeiten zur Investition in Afrika bieten sich, wenn man einen Zwischenstopp auf Mauritius einplant. Bei Firmengründungen hält sich die mauritische Bürokratie dezent im Hintergrund, so dass Unternehmen meist schon innerhalb von drei Wochen grünes Licht erhalten. Auch dann, wenn der Gründer noch im Ausland sitzt und die erforderlichen Dokumente bloß per Kurier bringen lässt. Am 12. März 1968 erlangte Mauritius die Unabhängigkeit von Großbritannien, nach die Kolonialherren bis zum Jahr 1810 noch aus Frankreich gekommen waren. Die Amtssprache ist Englisch. Im Alltag kommt man jedoch mit Französisch am weitesten. Die Zuckerrohr- und Textilindustrie wurden zunächst abgelöst von einem europäisch dominierten Tourismus. In den letzten Jahren gewann die blühenden Industrie der Finanzdienstleistungen, befeuert vor allem aus dem nahen Süden Asiens und den arabischen Staaten, an Bedeutung. Hier sieht die Regierung des Landes auch die ökonomische Zukunft und treibt derzeit ehrgeizige Pläne zur Erweiterung der Infrastruktur und zum Bau sogenannter Smart Cities voran. In diesen sollen Finanzdienstleister zukünftig Berufliches und Privates ideal vereinen können. Work-LifeBalance in Afrika. Aktuell beläuft sich die Arbeitslosenquote auf sechs Prozent. Auch die Jugendarbeitslosigkeit im Land ist im afrikanischen Vergleich sehr gering. Stark ist weiterhin der Qualitätstourismus, wodurch europäische Einwanderer auf Mauritius zumeist sehr angenehm und gleichzeitig preiswert leben können. Ein 300 Quadratmeter großes Haus in guter, zentraler Lage lässt sich vielerorts bereits ab 800 Euro pro Monat mieten Auf Mauritius treffen zahlreiche Kulturen aufeinander. Mehr als 50 Prozent der Menschen sind Hindus, entstammen einer Welle von Einwanderern, die bereits in der britischen Kolonialzeit auf den Zuckerrohrplantagen gearbeitet hatten. 30 Prozent der Bürger bekennen sich zum christlichen Glauben und leben beeindruckend friedlich neben den ebenso vertretenen Muslimen und einigen Gläubigen afrikanischer Religionen. Wie Hartmut Sieper versichert, lebe es sich unter diesen Umständen sehr sicher. Die Kriminalitätsraten auf Mauritius liegen deutlich unter dem afrikanischen Durchschnitt. Doch Mensch und Kapital ziehen nicht nur in die eine Richtung. Investitionen werden auch von Mauritius aus in Indien getätigt. Und dies in bemerkenswerten Ausmaßen. Mehr als 50 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in Indien stammen von der kleinen Insel. Das feuchte tropische Klima darf als Staatsangehöriger genießen, wer nach zwei Jahren Verweildauer Investitionen von umgerechnet fünf Millionen Euro nachweisen kann. Allen anderen bleibt die Möglichkeit einer kombinierten Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis – ein monatliches Einkommen von 1.400 Euro vorausgesetzt.

Paraguay
„Mensch und Kapital wandern auch in Paraguay sehr fleißig“, weiß Carsten Pfau, Geschäftsführer der Agriterra KG, gegenüber eigentümlich frei zu berichten. Spürbar sei der Unternehmergeist der sehr gelassenen Paraguayer vor allem im Osten des Landes. Dort herrsche eine florierende Kleinexportwirtschaft, in der die Einheimischen ihre selbstproduzierten Güter nach Brasilien transportieren, um sie dort auf lokalen Märkten anzubieten. In ganz Paraguay träfe man immer wieder auf Kleinunternehmer, die per Bauchladen oder kleinen Ständen ihre Waren anbieten, so Pfau. Fünf Prozent der Menschen nur leben im Norden, 95 Prozent im Süden. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 16 Einwohnern pro Quadratmeter, Die Arbeitslosenquote schwankt zwischen fünf und sieben Prozent. In Paraguay gibt es keinen Regenwald, aber einen weitaus höheren Baumbestand, als ihn viele europäische Länder aufweisen können. Dennoch liegen weiterhin viele Millionen Hektar Agrarland brach. Das Klima ist subtropisch. Weizen, Baumwolle, Reis und Rindfleisch sind die wichtigsten Exportgüter. In die lateinamerikanischen Nachbarstaaten exportiert Paraguay sehr viel Strom, der im Inland nicht benötigt wird. Die Industrieproduktion befindet sich noch in den Kinderschuhen. „Doch die Menschen sind hier sehr glücklich“, sagt Carsten Pfau. Die Lebenshaltungskosten seien mit denen in Europa vergleichbar. Die Rechtssicherheit sei gegeben. Aber die Mühlen der Bürokratie mahlten nur sehr langsam. Die staatliche Justiz habe aufgrund ihres geringen Arbeitstempos nicht den besten Ruf. Aber es gebe private Schiedsgerichte, vor allem auf dem Land, die sich um die Lösung geschäftlicher Konflikte kümmern. Die öffentliche Bürokratie sei, wenn es um die großen Aufgaben geht, noch sehr von Korruption geprägt. Öffentliche Ausschreibungen, für große Bauvorhaben zum Beispiel, gewönnen stets die gleichen Anbieter, so Pfau. Der Paraguayer an sich sei sehr friedliebend und entspannt, „nicht so ein Hitzkopf wie der Argentinier“. Man sei hier das „Du“ gewohnt. Auch die Kleidungsgewohnheiten seien unaufgeregt. Selbst zu wichtigen Terminen erscheine man gerne in kurzen Hosen. Der Anzug sei nur in politischen Sphären bekannt. „Doch bei aller Einfachheit ist auch ein luxuriöses Leben durchaus möglich“, sagt Pfau. Für im europäischen Maßstab niedrige Preise seien große Grundstücke erhältlich. Eingewanderte Europäer könnten sich durchaus Hausangestellte leisten. Auch die Warenversorgung gestalte sich sehr gut. Die Produkte der bekannten internationalen Marken seien allesamt erhältlich. Vieles werde auch aus Deutschland importiert. „Und das Fleischangebot ist natürlich eine wahre Pracht“, schwärmt der Fachmann. Im Vergleich zu Brasilien und anderen südamerikanischen Staaten lebe es sich in Paraguay auch sehr sicher. Die Kriminalitätsraten seien mit denen deutscher Großstädte vergleichbar. Und der Deutsche genieße in Paraguay besondere Achtung. Carsten Pfaus Eindruck: „Made in Germany zählt hier noch etwas.“ Und wem es zu unsicher erscheint, der besitzt in Paraguay allerlei Möglichkeiten, private Sicherheitsfirmen zu engagieren. In vielen Ortsteilen kooperierten die Nachbarn und schlössen gemeinsame Abonnements ab, berichtet Pfau. In vielen Mietshäusern kenne man auch noch den Portier, der eine wichtige Sicherheitsfunktion einnimmt. Die Einkommenssteuer beläuft sich in Paraguay auf 10 Prozent. Allerdings existieren zahlreiche Abschreibungsmöglichkeiten, so dass im Durchschnitt zirka fünf Prozent an den Staat entrichtet werden. Die Mehrwertsteuer schlägt ebenfalls mit 10 Prozent zu Buche. Einwanderer genießen allerdings die Befreiung von jeglicher direkter Steuer für eine Dauer von fünf Jahren. Die offizielle Inflationsrate liegt bei fünf Prozent. „Eigentumsrechte werden in Paraguay gut geschützt“, berichtet Carsten Pfau. „Lediglich größere Ländereien, die noch aus Zeiten der Diktatur stammen, können enteignet werden. Aber dies betrifft, wenn es denn passiert, meist Familien, die gar nicht mehr wissen, das ihnen dieses entsprechende Stück Land gehört. Und im Fall der Fälle werden auch großzügige Entschädigungen gezahlt. Das Grundbuch ist hier noch sehr sicher.“ Die Unternehmensgründung böte keine besonderen Hindernisse. Wichtig sei der Besuch beim Notar und die Beantragung einer Steuernummer. „Auch die Zuwanderung gestaltet sich recht einfach.“ Die Geburtsurkunde, ein polizeiliches Führungszeugnis, ein Gesundheitszeugnis und ein Bankkonto mit 5.000 US-Dollar Guthaben zwecks Absicherung des ersten Jahres genügen, um eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Besonders beliebt bei den Behörden seien deutsche Handwerker. Ein Sozialsystem existiere allerdings nicht, weshalb es ratsam sei, ein etwas größeres Vermögen mitzubringen. „100.000 Euro reichen aus, um hier ohne Erwerbstätigkeit ein gutes Leben führen zu können.“ Für wenig Geld erhalte man hier einen hohen Lebensstandard. „Es gibt hier nur sehr wenige Kontrollen. Fast alles lässt sich auch ohne ein Behörde lösen. Ich persönlich fühle mich nirgendwo freier als in Paraguay“, fasst Carsten Pfau zusammen.

Uruguay
Auf eine Pflicht legt die Regierung Uruguays besonderen Wert: die Wahlpflicht. Deshalb dürfen am Vorabend der Wahlen bis zu ihrem Ende im ganzen Land keine alkoholischen Getränke verkauft werden. „Mit dieser untauglichen Vorschrift soll eine Stimmabgabe in Nüchternheit gewährleistet werden. Ich würde ja eher Freibier ausschenken, damit die Bürger zu den Wahlurnen strömen – gerade bei der Wahl zwischen verschiedenen Formen der Pest und Cholera in Deutschland“, erklärt Christian Wolf, seines Zeichens Betriebswirt und Publizist in Punta del Este, weniger als zwei Autostunden von der Hauptstadt Montevideo, im Gespräch mit eigentümlich frei. 40 Prozent der 3,4 Millionen meist spanischstämmigen Bürger leben in Montevideo. Die einheimischen Charruas wurden fast ausgerottet, nachdem die Spanier das Land im 16. Jahrhundert eroberten. Einwanderer waren hingegen schon immer willkommen. 40.000 Einwohner haben deutsche Wurzeln. Im Land verteilt gibt es mehrere deutsche Clubs und Kolonien. Uruguay besitzt die zweitgrößten Trinkwasser-Reserven der Erde. Im Norden herrscht subtropisches Klima. Das Klima an der Küste ist mediterran. „Die strategische Lage des Landes und die geopolitische Situation sind hier ausgezeichnet“, berichtet Christian Wolf. Die Uruguayer seien friedvoll und freundlich und weit weg von den Krisenregionen der Welt. Ihre Geschäfte wickeln sie mit uruguayischen Pesos ab, größere aber auch vorzugsweise mit US-Dollar. Die Staatsverschuldung liegt bei 62 Prozent des Bruttoinlandproduktes, die Arbeitslosenquote bei 7,3 Prozent. Auf die demokratische Konsensbildung wird großen Wert gelegt. „Bei wichtigen Fragen gibt es Volksabstimmungen. So entschied das Volk zum Beispiel, dass Wasser und Strom im Staatsbesitz bleiben“, berichtet Wolf. Die Viehzucht trägt einen großen Teil zum Wohlstand bei. Insbesondere chinesische Verbraucher schätzen die hohe Qualität des Rindfleisches. Der Gebrauch von Antibiotika und Hormonen ist in Uruguay gesetzlich verboten. „Hier wird man nicht verhungern“, weiß Wolf. Viehzucht sei zudem eine gute Investitionsmöglichkeit, um die Inflation zu schlagen und sich außerhalb des Papiergeldsystems zu bewegen. Auch der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. „Zwischen Weihnachten und Mitte Januar findet man in Punta del Este die höchste Dichte von Prominenten, Reichen und Schönen weltweit. Dubiose Figuren sind natürlich auch darunter. So lief mir 2008 ein damals fast vergessener Politmensch auf der Peninsula in Punta del Este über den Weg, der nicht nur als Tourist dort weilte. Er hatte die nach ihm benannte Behörde schon lange verlassen, heute mimt er den Bundespräsidenten“, so Wolf. Aber: „An diesem Nobelstandort sollte man bei Immobilien aufpassen, die oft überteuert bei bescheidener Bauqualität angeboten werden. Es gibt aber auch moderne Gebäude mit guter Bausubstanz, etwa das neue ‚Look‘, das mit 90 Meter höchste Wohngebäude in Punta del Este mit 200 Apartments.“ Die Uruguayer seien durchweg extrem hilfsbereit und angenehm altmodisch. „Ein Ausländer, der nicht oder schlecht Spanisch spricht, wird nicht schräg angeschaut und zurückgewiesen. Die Einheimischen entschuldigen sich sogar oft, wenn sie kein Deutsch oder Englisch verstehen und sprechen“, erzählt Wolf. Die Bodenpreise lägen weit unter denen in Deutschland. Der Erwerbsprozess sei ähnlich ausgestaltet wie in Deutschland. Das Grundbuchamt erfülle die gleiche Funktion. Eigentumsrechte würden in ähnlichem Maße geschützt. Die Rechtssicherheit sei gegeben. Die Kehrseite von Behaglichkeit und Sicherheit seien aber die stetig steigenden Lebenshaltungskosten. Die Umsatzsteuer liegt bei 22 Prozent, die Vermögenssteuer zwischen 0,7 und 1,1 Prozent. Einwanderer müssen in den ersten fünf Jahre keine Steuern auf Vermögen und Einkommen aus dem Ausland zahlen. Danach sind zwölf Prozent Steuern auf Zinsen und Dividenden fällig. „Interessant für Unternehmer ist auch die herausragende IT-Infrastruktur. Uruguay ist ein Top-Standort für Experten in diesem Bereich und besitzt eine der höchsten Glasfasernetzdichten weltweit“, berichtet Wolf. Die politische und wirtschaftliche Situation sei insgesamt stabil. Das Wachstum betrage stets drei bis fünf Prozent. Ein großer Nachteil liege allerdings in der, von den starken Gewerkschaften provozierte, hohen Kostenstruktur. Es gebe relativ viele Streiktage und zweimal jährlich tariflich vereinbarte Lohnsteigerungen. Die Zuwanderung gestalte sich recht einfach. „Ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitscheck sind Pflicht, ebenso der Nachweis eines monatlichen Einkommens, das die Lebenshaltungskosten von durchschnittlich zirka 800 US-Dollar deckt, um ein Daueraufenthaltsrecht zu bekommen“, so Wolf. „Man bekommt schnell einen vorläufigen Residenten-Ausweis. Es wird also unterstellt, dass der Antrag durchgeht. Nach fünf Jahren als regulärer Resident darf man sogar die Staatsbürgerschaft beantragen.“ Für Pensionäre besonders interessant: Uruguay hat ein Rentenabkommen mit europäischen Ländern zur Anerkennung von Rentenjahren geschlossen. Und einen besonderen Tipp hat Christian Wolf noch zum Abschluss: „Das mondänste Haus Uruguays steht gerade zum Verkauf. Ein Deutscher trennt sich von dem Unikat mit 4.000 Quadratmetern Wohnfläche auf 13 Hektar Land in bester Lage nahe Punta del Este.“ Christian Wolf kann erreicht werden unter christian_ wolf@gmx.info.

Fazit
Kanada. Panama. Mauritius. Paraguay. Uruguay. Fünf kurze Abstecher nur, die aber bereits zeigen, dass ein Leben unter der Knute deutscher Bürokraten nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten muss. Das Ziel lautet Freiheit. Robert W. ging einstmals nach Westen, Hotelier Tim Dornbusch fährt heute gen Osten. Wohin gehen Sie?

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